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Ein Mesner für die deutschen Bischöfe

Zum ersten Mal gastiert die Bischofskonferenz im Bistum Eichstätt. Und wo über 60 Bischöfe tagen, wird auch gemeinsam Messe gefeiert. Die Vorbereitung für den Mesner ist dann nicht wie sonst. Katholisch.de hat ihn begleitet.

Vollversammlung | Ingolstadt - 20.02.2018

Ihn bringt nichts aus der Ruhe. Eine Stunde vor dem Gottesdienst ist Mesner Wolfgang Geiger tiefenentspannt – und das, obwohl er schon acht Stunden mit den Vorbereitungen für den große liturgische Eröffnung der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischöfe beschäftigt ist. Die letzte Lieferung für die Messe kam vormittags: Stolen und Sedilien, die Sitze für die Zelebranten im Altarraum. Und die Hostienschalen: "Die haben wir uns aus Eichstätt ausgeliehen. Wir selbst haben gar nicht so viele gleiche", erklärt er in der Sakristei während er seinen Mesnertalar überzieht. Ob die Kommunion heute bei so vielen Menschen ausgehen könne? Geiger lacht: "Nein, das kann nicht passieren. Wir haben 1.000 Hostien für die Wandlung."

Seit 26 Jahren ist Wolfgang Geiger Mesner, seit 8 Jahren im Münster "Zur Schönen Unserer Lieben Frau" in Ingolstadt. Die spätgotische Kirche wurde Anfang des 15. Jahrhunderts vollendet und wurde 1947 zum Münster erhoben. In der Seitenkapelle befindet sich ein Gnadenbild der "Dreimal wunderbaren Mutter". Der Gottesdienst mit den deutschen Bischöfen – eine große Ehre und der Höhepunkt seines Wirkens. Doch eigentlich sind es für den Mesner Routinehandgriffe. Stress? "Nicht mehr als sonst." Zwischen Filmaufnahmen, Interviews und Absprachen mit den Organisatioren der Bischofskonferenz beantwortet er nebenbei noch Fragen der anderen Helfer. Alles geklärt? Dann wieder raus aus der Sakristei in die Kirche. Er muss noch Kerzen anzünden.

Mesner Wolfang Geiger schreibt vor dem Gottesdienst im Ingolstädter Liebfrauenmünster eine Notiz.
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Dafür benutzt Geiger einen speziellen ausziehbaren Anzünder mit Gaskartusche. "Eines der wichtigsten Instrumente, die es im Mesnerdienst gibt. In hohen Kirchen ist man ja so weit weg von der Flamme", lacht er während er den Stab verlängert. Auf seinem Weg in den hinteren Teil der Kirche wird er aufgehalten. Weitere Absprachen, noch mehr Fragen beantworten. Er ist heute der wichtigste Mann. Grundvoraussetzung für einen Mesner neben einer mehrwöchigen Schulung: "Resistent gegen alles sein." Geiger lacht wieder. "Wenn der Mesner umkippt, dann kippt alles andere auch um. Aber bis jetzt hab ich gut durchgehalten und der Herrgott wird mir helfen, dass das weiterhin der Fall ist."

Es geht weiter. Gas aufdrehen, Flamme anmachen, Kerzen anzünden. "Das ist eine meiner Lieblingsbeschäftigungen. Das mache ich ganz am Schluss und da weiß ich: Jetzt bin ich fertig, jetzt kann es losgehen", sagt der Mesner. Als letzte ist eine ganz besondere Kerze dran: die Bischofskerze im Seitenaltar, die Bischof Gregor Maria Hanke zur erneuten Weihe an die "Dreimal wunderbare Mutter" im Juli 2009 gestiftet hat. Auf seinen Bischof – ganz Diözesanpatriot – freut sich der Mesner übrigens am meisten.

 
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Er ist es gewöhnt, im Hintergrund zu bleiben: Der Ingolstädter Münstermesner Wolfgang Geiger. Für das Pontifikalamt mit den Bischöfen gibt es für ihn einiges vorzubereiten. Ein Blick hinter die Kulissen.
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Was nun noch ansteht: Kontrolle, Kontrolle, Kontrolle. "Ob genug Hostienschalen da sind, ob die Kelche da sind – alles, was man für die Heilige Messe so braucht. Und dann kann es losgehen." Aber erst einmal geht es zurück in die Sakristei. Dort werkelt unterdessen seine Frau Maria – Mesnerin in St. Moritz in Ingolstadt. Heute hilft sie auch im Münster aus. Sie braucht jetzt den Schlüssel für den benachbarten Saal, wo sich die Zelebranten für den Gottesdienst umziehen. Die Sakristei ist für 20 Priester plus großes Ministrantenaufgebot dann doch etwas zu klein. Die Geigers sind ein eingespieltes Team. Bevor sie nach Ingolstadt kamen wirkten sie 19 Jahre gemeinsam in der Kirche "Maria Heimsuchung" in Sonthofen. Aufregung ist auch bei ihr Fehlanzeige – nur eilig hat es Maria Geiger: "Ich muss schnell rüber. Die warten auf mich." Sprach's und verschwand.

Das Mesnerehepaar Maria und Wolfang Geiger in der Sakristei des Ingolstädter Liebfrauenmünsters. Trotz großer Verantwortung sind beide nicht aus der Ruhe zu bringen.
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Auf Wolfgang Geiger wartet schon das PR-Team der Bischofskonferenz. Den WLAN-Zugang bräuchten sie. Kein Problem, auch da hilft der Mesner für den guten Draht nach außen. Genug Schritte legt er heute auf jeden Fall zurück. "Da werden wohl die Schuhsolen heute Abend durch sein", kommentiert er. Gut 20 Minuten bevor es losgeht schenkt Geiger den Messwein in zwei Kelche. Regional und persönlich ausgesucht aus Ingolstadt. "Wissen Sie, ob der Innenlautsprecher eingeschaltet ist", wird er gefragt. Weiß er, ja der Lautsprecher ist an. Die Kelche sind heute ganz besondere: Normalerweise stehen sie nämlich in der Schatzkammer. Extra poliert hat der Mesner sie aber nicht: "Die sind das ganze Jahr über sauber. Schöner geht nicht."

Weiter wird etwas für die Schrittstatistik getan: Die Kelche müssen raus in die Kirche auf den Tisch für die Gabenbereitung. Eine riesige Hostienschale steht bereits gefüllt dort. Zur Erinnerung: 1.000 Hostien sollen im Gottesdienst gewandelt werden. Noch ein Blick in den Altarraum, ob alles passt, dann wieder zurück zur Sakristei. Eigentlich. Aber Wolfgang Geiger ist nun mal Ansprechpartner Nummer eins. Wo sollen die Fahnenabordnungen stehen? Seitlich, nicht im Altarraum. Vor der Sakristei steht ein Tisch mit elf Hostienschalen. Noch sind sie leer, nach der Wandlung wird der Leib Christi von der großen Schale in diese umgefüllt.

Letzte Vorbereitungen in der Sakristei des Ingolstädter Liebfrauenmünsters vor dem Gottesdienst der Vollversammlung.
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Wolfgang Geiger schaut noch mal nach draußen vor die Türe, ob alles in Ordnung ist. Vor dem Münster demonstriert eine Gruppe von Menschen für die Weihe von Frauen. Beunruhigt ihn nicht: "Solange die sich friedlich verhalten passt's ja." Und von draußen geht es für ihn noch mal in den Altarraum. Konzentriert inspiziert er jeden Winkel, erfasst jedes Detail. Nichts vergessen? Gut. In der Sakristei sind in der Zwischenzeit immer mehr Ministranten eingetroffen. Aber auch die sind nicht aufgeregt. Schließlich haben sie in der Woche zuvor für sämtliche Gottesdienste geprobt. "Da ist nicht so viel anders." Als die Bischöfe ankommen, gehen auch die Ministranten und stellen sich auf. Einzug, Wortgottesdienst.

Von der Sakristei aus behält Wolfgang Geiger über eine Kamera im Altarraum alles im Blick. Einen stark Betrunkenen mussten sie vor dem Gottesdienst noch aus der Kirche entfernen, erzählt er. Aber grundsätzlich laufe alles gut. Der große Stein ist ihm aber noch nicht vom Herzen gefallen. "Aber der wackelt." Kurze Absprachen zwischendurch dürfen aber nicht fehlen – und natürlich das Nachlegen von Weihrauch auf die Kohlen. Geiger geht mit den Ministranten, die für den Weihrauch verantwortlich sind, zurück in die Kirche und schaut, ob sie durch die Fotografen und Journalisten gut zum Altar kommen. Im Seitenschiff bleibt er stehen: "Ich checke jetzt noch die Anlage, dass es überall gleichmäßig laut ist. Aber das hört sich gut an." Anschließend geht er hinter den Altarraum. Erst wartet der Mesner, lässt konzentriert seinen Blick schweifen. Dann geht er zu einem Bischof, fragt, ob alles in Ordnung ist. Ist es.

Mesner Wolfang Geiger schaut auf die Überwachungsanlage des Altarraumes im Ingolstädter Liebfrauenmünster.
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Nach dem Gottesdienst fällt er dann, der Stein vom Herzen. "Wunderbar, die Premiere ist wunderbar gelaufen." Das fanden auch die Bischöfe. "Als ich bei ihnen durchgelaufen bin, haben sie mich angegrinst und Daumen hochgezeigt. Alle sind zufrieden. Herz, was willst du mehr?" Die Arbeit ist für ihn aber noch lange nicht vorbei. Alles muss am selben Abend noch nach St. Moritz transportiert werden, wo die Frühgottesdienste stattfinden. Doch auch da hat die Familie Geiger alles fest im Griff.

Von Julia Martin

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